London – Cornwall, Reisetagebuch

Donnerstag 26.03.2015 – Tag des Schlenderns

London

Wir haben Kollegin G. zur Verrentung eine Reise nach London geschenkt, auf die einige Freunde, andere fahren nach Sizilien, mitfahren. Vor dem Flug mit unserer Germanwings Maschine ist uns ein wenig mulmig aufgrund des in den französischen Alpen abgestürzten Fliegers. Wir wissen noch nicht, dass der Kopilot Selbstmord begangen hat, sondern glauben noch an einen technischen Schaden. Die Crew ist besonders freundlich, so kommt es uns vor, und wir landen sicher in London Stansted. Unsere Herberge ist für Londoner Zustände akzeptabel, wir haben alle unterschiedlich kleine Zimmer, Musikkollegin A. hat das beste Zimmer erwischt. Es gibt sogar einen kleinen Flur. Nur am nächsten Tag sind wir etwas ernüchtert in Bezug auf die Qualität unserer Zimmer, denn Mathekollegin M. findet des Nachts eine Kakerlake in ihrem Zimmer, die sie mit ihrem Schuh platttritt, worauf sie den Tag über betont, auf Eiern zu laufen.

Wir machen uns gleich auf unseren Spaziergang durch London, schließlich kennt Musikkollegin M. die Stadt noch nicht. Wir schauen uns den Buckingham Palace an und gehen durch den St. James Park, in dem sich Physikkollege M. zu Foyles verabschiedet, in dem er die ersten von über zehn Büchern kauft. Der Rest der Truppe lässt sich weiter durch London treiben.

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Abends gehen wir in ein tolles Violinkonzert mit Christian Tetzlaff in die Queen Elizabeth Hall.

 

Freitag, 27.03.2015 – Tag des Fuchses

Immer noch London

Wir fahren mit der DLR (der Docklands Light Railway, die als Besonderheit keinen Fahrer hat) nach Greenwich. Dort wandern wir durch den Foot Tunnel. Da fällt Physikkollege M. auf, dass wir ja gar nicht, wie angekündigt, mit dem Boot fahren und er hört nicht auf zu betonen, dass er sich um eine Flussfahrt betrogen fühlt. Das wir erwähnt haben, dass die Bootstour erst auf der Rückreise stattfindet, hat er wohl überhört. Nach der Bootstour bei wunderschönem Wetter verschwindet er daraufhin auch wieder in einen Buchladen, in dem er die nächsten Bücher kauft. Der Rest der Truppe isst zunächst in einem wunderhübschen und stillen Garten (mit einer Toilette, die an Moaning Myrtles Badezimmer aus Harry Potter erinnert) eine sehr leckere Kleinigkeit und wandelt dann durch Brompton Cemetery, auf dem der berühmte Sänger Richard Tauber begraben ist (was keine der beiden mitfahrenden Musikkolleginnen wusste, geschweige denn irgendwer sonst) und auf dem wir einen vorwitzigen Fuchs sehen, der recht zutraulich ist.

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Abends gehen wir lecker essen.

 

Samstag, 28.3.2015 – Tag des Museums

Immer noch London

Wir besuchen die Sherlock Holmes Ausstellung im London Museum, die wirklich gut gemacht ist. Es werden Ausschnitte aus den verschiedenen Filmen und aus ganz unterschiedlichen Jahrzehnten gezeigt. Es gibt sogar einen Stummfilm. Das geht mir aber zu schnell. Dann werden alte Stadtpläne und Landkarten gezeigt, anhand derer der Betrachter sich vorstellen kann, wie es damals an den Schauplätzen der Verbrechen aussah. Es werden Kleidungsstücke und Accessoires gezeigt, die Sherlock Holmes und Doctor Watson und auch die Verbrecher sowie Opfer getragen haben könnten. Danach tun wir uns die Oxford Street an und die Menschenmengen sind nicht zu ertragen. Physikkollege M. ist schon wieder in irgendeinem Buchladen, nicht an der Oxford Street, und kauft Bücher. Dann gehen wir zu Fortnum & Masons, weil Kollegin G. ihrem Bruder Kekse von dort versprochen hat. Dann sind wir bedient von den Massen an Touristen.

 

Sonntag, 29.03.2015 – Tag der Anreise

London – St Yves, Cornwall

Ich verlasse unsere kleine Reisegruppe, die noch den Tag in London verbringt bevor sie wieder abreist, um meine Mitwanderin in Heathrow zu treffen und von dort mit dem National Express nach St Yves zu fahren. Ziel unserer Reise ist der Coast Path, der Küstenwanderweg direkt an Cornwalls Küste, den wir zu einem kleinen Teil wandern wollen. Ich breche sehr früh von London, Paddington, auf und wir sitzen bald darauf im Bus nach Cornwall. Und die Fahrt dauert sehr lange und führt uns kreuz und quer durch Cornwall. Um 17:05 sind wir endlich da. Es regnet die ganze Fahrt über und auch am Abend noch. Wir erkunden aber noch kurz die Stadt bevor wir lecker essen gehen (Makrele) und in die Betten unseres hübschen B&Bs klettern.

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Montag, 30.03.2013 – Tag der meist einheimischen Touristen

St Yves

Die Sonne scheint, es weht aber eine starke Brise und es sind 8°C. Das hält die Engländer nicht davon ab, einen Ausflug zum Strand zu machen, ihre Strandmuschel aufzubauen und, Kinder wie Erwachsene, in kurzen Hosen und barfuss Sandburgen zu bauen oder über den Strand zu streifen. Wir treffen wenige ausländische Touristen, ein paar Deutsche, Spanisch hören wir, sonst scheinen hier die Engländer Kurzurlaub zu machen. Wir machen, in Fleecejacken, Fotos von der beeindruckenden Brandung, die am nächsten Tag noch zunehmen sollte, aber das wissen wir ja noch nicht.

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Danach schlendern wir durch den sehr hübschen Ort und sehen Palmen.

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Wir entscheiden uns schon einmal den Coast Path auszuprobieren mit einer kurzen Strecke und nehmen den Zug und fahren zwei Stationen in die Richtung, in die wir nicht wandern werden. Wir sind nicht aufs Wandern eingerichtet. Wir tragen Jeans, die am Abend voller Matsch sind, und sind  zu warm angezogen und schwitzen unter unseren Jacken, denn es fängt leider leicht zu nieseln an. Abends gehen wir in einem sehr, sehr leckeren vegetarischen Restaurant essen. Kleine Auswahl, aber wirklich gut und da sie auf vegetarisches Essen eingestellt sind, ist es auch besonderes Essen.

 

Dienstag, 31.03.2015 – Tag der Steine

St Yves – Zennor (10 km)

Unser erster Wandertag. Es ist herrlicher Sonnenschein, keine Wolke zu sehen, es wehen allerdings orkanartige Böen. Der Betrachter von außen sieht zwei mittelalterliche Damen sich mühsam über Steinwege schleppen, die aussehen als seien sie ausgetrocknete Flußbetten. Sie klettern, doch etwas unbeholfen, über riesige Felsblöcke (engl. boulder) und kommen sehr mühsam voran, was auch an dem starken Wind liegt. Für die zehn Kilometer brauchen wir bestimmt fünf Stunden, wir lassen uns aber auch Zeit und genießen die Aussicht, die Vögel und das schöne Wetter.

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Und wir sehen kurz eine Kegelrobbe, die ihre Schnauze aus dem Wasser streckt.

Abends übernachten wir im Pub, der sehr nett ist und es gibt wieder sehr leckeres Essen.

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Mittwoch, 01.04.2015 – Tag der Kegelrobbe

Zennor – Pendeen (11 km)

Am Morgen serviert uns Paul, in aller Gelassenheit, das Frühstück. Paul ist in keinster Weise vom Burnout bedroht. Paul hat als Soldatensohn in seiner Kindheit in den 60er Jahren ein paar Jahre in Bielefeld gelebt. Er fragt interessiert nach unserer Reiseroute und unseren weiteren Unterkünften. Er klärt uns schon einmal darüber auf, dass die Menschen in Pendeen keine von auswärts mögen. Das stimmt aber nicht, wie wir später feststellen. Paul schmiert uns auch noch ein paar Lunchpackete. Später findet meine Mitwanderen eine Karte in ihrem Päckchen. Paul bietet sich ihr als „guide“ durch Penzance an, um ihr die „complexities“ des Städtchens näher zu bringen. Sie möchte das aber nicht. Zum Abschied macht Paul uns Hoffnungen, auf unserer heutigen Etappe ein paar Thunfische zu sehen. Wenn wir einen geangelt hätten, sollten wir ihn anrufen, er würde ihn für uns zubereiten. Leider sehen wir keinen.

Dann wandern wir los. Es ist nicht ganz so schön wie gestern, aber es ist angenehm und es regnet nicht. Die Etappe ist etwas besser zu laufen als gestern, aber immer noch anstrengend, es geht ständig auf und ab, runter zur Bucht, wieder rauf auf die Klippen und wieder hinunter und so weiter.  Auf unserem heutigen Weg sehen wir etliche Kegelrobben ihre vorwitzigen Nasen aus dem Wasser strecken. Sehr niedlich.

 

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Auch sonst eine herrliche Strecke. Der Ginster (engl. gorse) blüht überall und ist schön anzusehen, auch wenn er meine Beine in einen weiß-roten Nadelstreifenanzug verwandelt.

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Pendeen und die Ortschaften drumherum sind bekannt für die Zinnbergwerke (engl. tin mines). Zinn wurde hier schon in der Bronzezeit gewonnen.

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Wir übernachten wieder in einem Pub, in wirklich tollen Zimmern, die sogar eine kleine Veranda haben, die wir aber nicht nutzen können. Dazu ist es dann doch noch zu kalt. Dieses Pub ist bekannt für ihre Currys und das Gemüsecurry, das wir zu uns nehmen, ist auch wirklich lecker.

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Donnerstag, 02.04.2015 – Tag des ärgerlichen Verlaufens

Pendeen – Sennen Cove (14 km)

Auf unserer heutigen Etappe sehen wir viele Vögel. Wir beobachten Schwarzkehlchen (engl. stonechat), Dohlen (engl. jackdaw), einen Wanderfalken und einen Bussard. Und etliche Möwen natürlich. Hier hauptsächlich Silbermöwen, die im Englischen herring gull, heißt. Eine Heringsmöwe gibt es bei uns auch, das ist aber eine andere Art. Meine Mitwanderin ist nämlich große Vogelfreundin und -expertin und ich lerne hier so nebenbei eine Menge über Vögel. Später sehen wir noch die sehr seltene Alpenkrähe (engl. chough, gesprochen wie „cough“ nur mit einem „tsch“-Laut vorne), die hier stark geschützt ist.

Die Etappe heute ist die längste, aber bisher einfachste Strecke, nur am Ende verlaufen wir uns und laufen sehr lange, wenn auch erstaunlich zielstrebig ohne genaue Karte, zu unserem B&B. Wir richten uns nämlich bei unseren Karten nach einem Buch, das den Weg in hübschen Zeichnungen darlegt, allerdings müssen wir feststellen, dass die Karten in Ortschaften sehr ungenau sind. Sennen Cove meint es nicht gut mit uns. Auch auf dem Weg zum Pub verlaufen wir uns und sind schon fast wieder unten am Meer (die Ortschaften liegen alle oben auf den Klippen und wir müssen diese immer erst erklimmen bevor wir da sind), als wir ein Päarchen nach dem Weg fragen. Das Pub liegt natürlich nicht unten, sondern oben. Das Essen ist aber okay, meine Mitwanderin bestellt als Nachtisch eine Auswahl von „Cornish Cheese“. Ich darf auch probieren und die Käse sind wirklich sehr, sehr lecker. Wir versuchen das später noch einmal mit leider eher enttäuschendem Ausgang. Die Käse reichen nicht an diese Auswahl von wahrscheinlich lokalen Käsen heran.

 

Karfreitag, 03.04.2015 – Tag der Krähenscharbe (engl. shag)

Sennen Cove – Porthcurno (9,5 km)

Wir wollen  einen Tag des Delphins, wir sehen aber keine (auch wieder keinen Thunfisch, wir müssen Paul also nicht anrufen). Dann wird es beinahe der Tag des Regens, denn wir gehen im Regen los. Nach etwa anderthalb Stunden kommen wir in Land’s End an und setzen uns erstmal in ein Café. Land’s End ist nicht zu empfehlen, sehr touristisch und nicht wirklich schön, das später auf dem Weg liegende Cape Cornwall ist wesentlich reizvoller (allerdings nur ein mobiles Café in Form eines Anhängers). Tatsächlich hört es nach etwa einer halben Stunde auf zu regnen, wir wandern weiter und das Wetter wird immer besser, wir beschließen den Tag in strahlendem Sonnenschein. Am Cape Cornwall hocken wir uns gemütlich hinter eine Mauer, schlürfen Eis und genießen die Sonne.

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Auf unserer heutigen Etappe, die sehr kurz ist, sehen wir viele Krähenscharben (engl. shag), die mit den Kormoranen verwandt sind, aber kleiner sind und einen lustigen kleinen Federbüschel auf dem Kopf tragen. Ich finde die sehr niedlich. Später sollen wir noch viel mehr von ihnen sehen, sogar brütende Krähenscharben dürfen wir erleben. Am Ende unserer Etappe bade ich meine Füße im Meer, herrlich, wenn auch etwas kalt, und meine Mitwanderin holt ihr Spektiv und wir beobachten noch viel mehr Krähenscharben, aber auch Basstölpel (engl. gannet), Trottellummen (engl. guillimot) und Tordalke (engl. razorbill).

Die Strecke des Coast Path ist relativ gut ausgezeichnet, nur leider sind an einigen Stellen, an denen es nötig ist, keine Markierungen, während andere total überflüssig sind, wie diese, denn rechts vom Schild geht es nur in den Abgrund.

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Kurz vor Porthcurno kommt das Minack Theatre, ein in Stein gehauenes Theater, das wirklich sehr beeindruckend ist. Hier würde ich gerne mal eine Aufführung sehen. Dazu ist es uns jetzt aber noch zu kalt.

Wir übernachten wieder in einem B&B. Die Besitzerin hat ihre Familie zu Besuch, die wir hinterher auch in dem nicht gerade sehr heimeligen Pub treffen, wo mich ihr Enkel fast mit dem Queue erdolcht.

 

Ostersamstag, 04.04.2015 – Tag der Stufen

Porthcurno – Penzance (17 km)

Die Sonne blickt nur ab und zu kurz durch, aber es regnet nicht. Auf unserer heutigen Etappe treffen wir unterwegs viele Ponys, wahrscheinlich Dartmoorponys. Ponys gibt es hier viele, sie werden zur Landschaftspflege eingesetzt. Wir nähern uns vorsichtig, um sie nicht zu erschrecken. Das erweist sich als völlig unnötig, ziemlich bald sind wir von Ponys umringt, die sich sehr für unsere abgestellten Rucksäcke interessieren. Am Ende muss die Mitwanderin ihren sogar mit ihrem Stock verteidigen.

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Unterwegs rasten wir in einer Bucht in einem übervollen Café und wir suchen schnell das Weite, so große Menschenmassen ertragen wir nicht mehr. Ich bade meine Füße wieder im Meer, danach gehen wir weiter.

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Trotz der unzähligen Stufen (gefühlte zehn Mal den Kölner Dom rauf und runter), ist die Strecke heute sehr schön und sehr idyllisch. Der Weg führt durch Hecken auf beiden Seiten, teilweise gehen wir wie durch einen Tunnel durch sie hindurch. Er führt durch Eichenwälder und blühende Gärten. Überhaupt blüht schon sehr viel. Auch Mousehole (gesprochen mowzell) ist ein sehr hübscher Ort. Nur das Ende der Strecke ist weniger schön, die letzten vier Meilen gehen nur über Asphalt auf einem Radweg entlang. Am Ende sind wir in einem ganz schnuckeligen B&B mit einer sehr netten Landlady, aber wir haben Mühe, einen Platz in einem Restaurant zu finden. Im dritten, einem Pub, werden wir fündig. Dieser Pub ist riesig und wie ein Schiff eingerichtet. Das Essen ist sehr gut.

 

Ostersonntag, 05.04.2015 – Tag des „Es hätte so schön sein können“

Penzance

Heute ist Resttag in Penzance und wir machen eine dreieinhalbstündige Bootstour auf einem Katamaran, der allerdings auch mit Motor betrieben werden kann. Dieser muss heute, bei der relativen Windstille, auch fast permanent laufen. Ich ärgere mich schon vor Beginn, weil ich mein Fernglas in der Unterkunft vergessen habe. Es ist herrliches Wetter, die Sonne scheint, es ist aber doch sehr kalt. Aber dank der Ölhosen vom Veranstalter (und Pulli und Fleecejacke und Regenjacke) frieren wir nicht. Wir sehen viele Kegelrobben sich auf Felsen sonnen, wir sehen wieder Trottellumme und Tordalke und auch Atlantiksturmtaucher (engl. Manx shearwater), die meine Mitwanderin in Entzückung bringen.

Kormoran (engl. cormorant)

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Kegelrobbe (engl. grey seal)

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Atlantiksturmtaucher, auch wenn kaum erkennbar.

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Dieses viele Fotografieren hätte ich bleiben lassen sollen, denn als der Kanal in den Atlantik mündet (oder umgekehrt) und die Wellen stärker werden, wird mir schlecht und gerade als die Crew die Schweinswale (engl. porpoise) sichtet, muss ich zur Tüte greifen. Danach geht es, aber just in dem Moment als wieder Schweinswale gesehen werden, hänge ich über dem Eimer und werde auf diesem Wege dieses wunderschöne Frühstück im B&B los. Was für eine Verschwendung! Und ich habe keine Schweinswale gesehen! Der zweite Teil der Fahrt ist für mich kein Vergnügen trotz des Sonnenscheins und der Wärme.

Nachdem wir sehr lange brauchen, um herauszufinden (diese Bus- oder Bahnapps sind nicht zu gebrauchen!), ob der Bus, der die morgige erste langweilige Etappe, die nur über Asphalt führt, überbrücken soll, auch fährt, schauen wir uns die Stadt an und picknicken an der Uferpromenade auf großen Steinen.

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Ostermontag, 06.04.2015 – Tag des T-Shirts

Penzance – Porthleven (ca. 16 km, eigentlich 22 km)

Es ist klarer, blauer Himmel, die Sonne scheint und es weht nur eine leichte Brise. Wir starten in Fleecepullovern, strippen aber relativ bald runter zum T-Shirt, denn es ist sehr warm, fast schon zu warm, wäre da nicht die leichte kühle Brise. Ich habe keinen Sonnenschutz eingesteckt (wer rechnet denn schon damit?!) und wir behelfen uns mit der kleinen Packung Sonnenschutz der Mitwanderin. Der Sonnenschutzfaktor ist für mich aber nicht ausreichend. Wir schummeln heute ja ein bisschen, denn der Weg am Anfang ist wieder nur Asphalt und Radweg. Das wollen wir uns nicht fünf Kilometer lang antun. Wir nehmen also den Bus bis Perran Crossroads und laufen dann runter zur Küste und zu unserem Coast Path. Dort verlaufen wir uns leider, denn wir folgen dem Zeichen, nicht der Karte. Das Zeichen führt uns über riesige Steinblöcke und ist sehr unangenehm zu laufen, bzw. zu erklettern. Auf dem Foto sieht man links den falschen Weg und oben, als Strich, den eigentlichen, wesentlich angenehmeren Weg.

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Wir sind genervt und wollen als Entschädigung mindestens einen Delphin sehen. Der lässt sich aber nicht blicken. Trotzdem wird es eine sehr schöne Etappe, denn in der Wärme und ohne den Wind ist es angenehm zu laufen. Wir machen viel Pause, auf Gras und an einem herrlichen Strand, an dem ich wieder meine Füße bade. Die englischen Kinder gehen in Neoprenanzügen ins Wasser, die Älteren trauen sich im Bikini. Nur den Milchshake hätten wir nicht zu uns nehmen sollen. Wirklich nicht. Abends nächtigen wir in Porthleven in einem großen Pub.

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Wir wollen Sonnenuntergang sehen, leider aber ist es zu diesig, also keine gigantisch schönen Bilder vom Sonnenuntergang über dem Meer.

 

Dienstag, 07.04.2015 – Tag des separaten Weges

Porthleven – The Lizard (20 km)

Der Milchshake der gestrigen Wanderung ist uns beiden nicht bekommen, meine Mitwanderin hat es aber so richtig erwischt. Sie muss sich die halbe Nacht übergeben und zum Glück hat sie das Zimmer des Familienzimmers, in dem wir genächtigt haben, das direkt am Bad liegt. Morgens geht es ihr immer noch nicht besser, so dass ich alleine wandern muss und sie ein Taxi nimmt.

Ich schmiere mich heute mehrfach mit dem Sonnenschutz für Kids, Faktor 50+, ein, das hilft aber nicht. Auch meine Lippe hat soviel Sonne abbekommen, dass sie schmerzt. Das Wetter ist zunächst nicht schön, wird aber bald besser. Ich habe doch ein wenig Ehrfurcht vor den 20 Kilometern und wandere die ersten zehn recht zügig durch. Der Weg ist aber nicht mehr ganz so anstrengend, denn es geht nicht mehr ganz so viel auf und ab. Der Weg führt am Ende sehr lange über die Klippen, es ist ein wenig zu windig, um angenehm zu sein, außerdem ist der Weg an einigen Stellen nicht ersichtig und ich bin so genervt, dass ich zügig durchwandere und schon um drei in der Bucht vor dem Ziel bin (Kynance Cove). Da lasse ich mir aber Zeit, bade meine Füße, gehe die Klippen wieder hinauf und setze mich auf das Gras und beobachte Möwen und Krähenscharben, die dort ihre Nester gebaut haben.

Als ich ankomme, geht es der Mitwanderin leider immer noch nicht besser, so dass ich mir ein paar Sandwiches kaufe, denn alleine in den Pub gehen, mag ich nicht.

 

Mittwoch, 08.04.2015 – Tag des Abschiedes

The Lizard

An unserem letzten Tag ist wieder gigantisch schönes Wetter. Gut für die Seele, nicht gut für mein schon tomatenrotes Gesicht. Die Sonnencreme ist schlecht.

Der Mitwanderin geht es etwas besser, und so gehen wir zurück zur Kynance Cove, da es da so schön ist. Das finden  leider auch viele Touristen, darunter auch wieder einige Deutsche. Daher setzen wir uns ins Gras auf die Klippe, an dem Ort, wo ich schon gestern saß, und beobachten die Vögel. Die Krähenscharben (ich finde die zu niedlich) sitzen auf ihren Nestern. Wir sehen wie Papa Krähenscharbe (vermutlich) der brütenden Mama Krähenscharbe (vermutlich) Nistmaterial bringt, das entweder akzeptiert wird und ins Nest eingebaut wird oder aber laut zeternd als nicht den Ansprüchen genügend abgewiesen wird. Wir verfolgen Mantelmöwen und Silbermöwen im Flug und Basstölpel, wie sie sich ins Wasser stürzen. Dann schaut noch ein kecker Steinschmätzer (engl. wheatear) über den Felsen und fliegt dann davon.

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Nach einem kurzen Stopp im Café in der Bucht gehen wir zurück. Am Nachmittag machen wir uns natürlich auf zum berühmten Leuchtturm, wir wollen aber nicht hinein, sondern setzen uns davor ans Meer und wollen Vögel beobachten. Außer ein paar wenigen Basstölpeln und natürlich Möwen gibt es aber nichts interessantes zu sehen. Aber eine Kegelrobbe taucht vor uns immer mal wieder an derselben Stelle auf.

Wir trennen uns nur ungern von dem Anblick. Es ist so schön hier und so sagen wir mit Wehmut: „Goodbye seal, goodbye seabirds, goodbye sea, goodbye coast path, goodbye Cornwall.

 

Donnerstag, 09.04.2015 – Tag der Abreise

The Lizard – Heidekaff (zuviele Kilometer)

Bei schönstem und warmem Wetter sitzen wir den ganzen Tag im Bus des National Express, der uns nach London-Heathrow bringt. Aber auch das geht vorbei, ebenso wie die Wartezeit auf dem Flughafen und der Flug selber, der einen Bruchteil der vorherigen Reise von Cornwall nach London für sehr viel mehr Strecke braucht und so sind wir wieder Zuhause. Es war ein wirklich, wirklich schöner Urlaub mit vielen Eindrücken.

 

Und mit diesem Bericht, geneigter Leser und geneigte Leserin, schließe ich diesen Blog für zumindest einige Zeit, mir gehen die Ideen aus und ich kann meine Schreibfaulheit der letzten Zeit einfach nicht überwinden.

 

Weihnachten

Heimaturlaub. Endlich mal wieder ausgiebig lesen ohne schlechtes Gewissen. Lange, ausgedehnte Frühstücke. Piekender, aber schöner Weihnachtsbaum. Nichten und Neffe im Weihnachtsstress. Nichte: „Mama, Weihnachten ist mir zu anstrengend.“ Spaziergänge ohne und mit Schnee. Kino.

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Weihnachten und so

Ein schöner Tag zum Abschluss. Wir haben eine kleine Weihnachtsfeier im Stall organisiert. Erst sind wir mit unseren Pferden eine kleine Runde spazieren gegangen und das Wetter hat sogar gehalten. Dann haben wir noch sehr nett zusammengesessen und alkoholfreien Früchtepunsch getrunken und Plätzchen gegessen.

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Am Abend bin ich mit ein paar anderen Pferdefreundinnen zum Weihnachtsmarkt Glühwein trinken und anschließend ins Steakhouse zum Essen gegangen. Auch das war sehr nett. Eine der Freundinnen ist Ergotherapeutin und hat uns beigebracht, wie man Fröbelsterne herstellt. Sehr kompliziert und ich frage mich, wie manche Leute das mit einem Arm hinkriegen. Sie stellt diese nämlich mit ihren Patienten her. Wir haben sehr für Erheiterung gesorgt, als wir im Restaurant saßen und damit gekämpft haben, bunte Papierstreifen in Form zu bekommen.

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Und falls sie nicht wissen, was Fröbelsterne sind, hier ein Foto. Sie kennen die bestimmt.

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Ich schließe hier für ein paar Tage und das Pony und ich wünschen ein schönes und besinnliches Weihnachten.

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Tagebuchbloggen #15

Was für ein Wetter. Da mag man einfach nur auf dem Sofa sitzen bleiben und Kakao trinken und ein gutes Buch lesen. Leider muss ich aber noch soviel erledigen, bevor ich in die Heimat fahre.

Beim Pony war ich auch nur kurz und freute mich, dass ich einen Regen freien und relativ windstillen (gemessen an dem Sturm, der hier heute tobte) Moment abgepasst hatte. Leider fing es aber wieder an zu regnen, als ich gerade mit der Bodenarbeit auf dem Platz angefangen habe, der sogar einigermaßen trocken war. Und dann fing es auch noch an zu Gewittern und der Regen wurde zum Starkregen. Das Pony kümmerte das wenig, es fraß am überdachten Anbinder. Ich fragte mich, ob ein Blitzableiter vorhanden war. Dann habe ich das Pony noch schnell auf den Paddock zurückgebracht. Kaum war ich Zuhause, hat es aufgehört zu regnen und zu gewittern.

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Tagebuchbloggen #15

Letzer Schultag! Endlich. Nur zwei Stunden, eine davon Christmas Rock, der dieses Jahr ausgesprochen gut war, von den Interpreten (größtenteils), den Musikern und dem Musikkollegen, der am Mischpult saß. Meiner sechsten Klasse, von der mich jeder Einzelne angefleht hat, dass wir doch bitte dahin gehen, war es nach fünf Minuten zu laut.

Nach der Schule noch nett mit den Kollegen essen, dann beim Pony. Es hat den ganzen Tag geschüttet, war aber genau dann trocken, als ich beim Pony war. Dann sind wir eine Runde spazieren gegangen. Zu einem richtigen Ausritt war es zu spät, wir wären erst in der Dunkelheit wieder da gewesen. Die Plätze waren überflutet. Also sind wir Esel gucken gegangen. Den fand das Pony zwar erst interessant, dann aber fand sie das Gras wichtiger. Dabei haben sich die beiden Ponys und der Esel alle Mühe gegeben, auf sich aufmerksam zu machen und sind über den Paddock gebuckelt. Aber das Pony hatte wohl sehr großen Hunger. Leider hat der Esel nicht geschriehen. Mich hätte ja interessiert, was das Pony da gemacht hätte.

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Hier guckt sie zumindest noch zum Esel hin.

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Hier sieht man nicht mehr viel von ihr und sie hat jegliches Interesse verloren.

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Tagebuchbloggen #13

Dreimal werden wir noch wach, heißa dann ist …. Nein, nicht Heiligabend, aber Ferien. Wir sind ferienreif, die Schüler und Schülerinnen auch, es wird Zeit. Heute haben die Fünftklässler noch ihre Englischarbeit geschrieben. Diese sollte ein Weihnachtsgeschenk sein und war richtig leicht. Aber die Konzentration war raus. Schon beim Aufgabendurchgehen haben die Schülerinnen und Schüler Fragen gestellt, wo ich mich echt gefragt habe, ob die lesen können. Und beim späteren Herumgehen merkte ich, dass immer noch einige die Aufgaben falsch machten. Und ich war wieder nett und habe noch einmal auf die Aufgabenstellung verwiesen. Dabei war das wirklich, wirklich einfach.

Im 12er Kurs habe ich nur noch East is East gesehen. Nach der Hälfte gaben sie zu, nichts zu verstehen. Ich hatte mich schon gewundert, dieses  Nordenglisch ist ja nun einmal nicht so einfach, aber da kein Protest kam, habe ich es laufen lassen.

Nach der Schule bin ich schnell zum Friseur gehechtet, der meine Haare total verschnitten hat. Das muss jetzt erstmal nachwachsen. Ich hoffe ja, es fällt nicht zu sehr auf. Dann bin ich nach Hause gehetzt, habe schnell was gegessen und habe mich an die Arbeiten der Fünftklässler gemacht. Danach habe ich noch ein paar 11er Geschichtsklausuren korrigiert, aber nicht mehr viele, denn ich war dann wirklich schon sehr müde. Leider werde ich auch wieder ein wenig in den Ferien korrigieren müssen.

Needless to say: Ich war nicht beim Pony.