Alles, was man vergisst, schreit im Traum um Hilfe

Manchmal ist vieles wichtiger als das Blogschreiben. Und manchmal ist man so paralysiert in seinen Handlungen, dass man nur funktioniert. Und manchmal kommt beides zusammen. Aber dann wieder kommen die Momente, die man festhalten will und nicht vergessen möchte. Wer weiß, wie lange man das noch kann, das Festhalten an Erinnerungen.

Wann es bei meiner Mutter los ging, weiß ich nicht mehr. Es sind bestimmt schon 10 Jahre. Ein schleichender Prozess, wie man so schön sagt. Erst vergisst sie, was letzte Woche war, was am Tag vorher passierte. Dann fängt sie an, Dinge in Endlosschleife zu wiederholen. Und es sind immer dieselben Erinnerungen. Von Ihrer „Flucht“, wie sie es nennt, als sie und ihre Mutter zusammen mit der gerade ein halbes Jahr alten Schwester aus der „Ostzone“ zurück nach Leverkusen reisen. Von ihrer gemeinen Mutter, die ihr keine unbeschwerte Kindheit gönnt, sondern sie zu allen möglichen unliebsamen Diensten heranzieht. „Ich musste die Lebensmittelkarten fälschen, während Mutti und eine Freundin so laut quatschten, dass ich mich bei der Fiddelarbeit nicht konzentrieren konnte. Und dann musste ich die Lebensmittelkarten auch noch einlösen. Im Dunkeln. Und bin mit dem Fahrrad in einen Bombenkrater gefallen. Was habe ich sie verflucht.“ Viel Verbitterung über ihre Mutter und ihre Kindheit. Wenig schöne Momente. Weihnachten `46. Die einquartierte Familie war außer Haus. Ein langes Bad wurde sich gegönnt. Zu dritt: Mutter, 15-jährige und einjährige Tochter. Dann bei den Nachbarn Weihnachten gefeiert. Echten Bohnenkaffee als Geschenk. Große Gemütlichkeit.

Dieser Zustand hält lange an. Aber es wird langsam schlimmer. Mein Vater will sich nicht mit der Diagnose Demenz auseinandersetzen. In der Familie ist man sich uneins: Ist es nicht doch einfach die „normale“ Altersvergesslichkeit? Meine Mutter ist, was mir völlig neu war zu dem Zeitpunkt, eine gute Schauspielerin. Wenn Fremde oder der größere Verwandtenkreis anwesend ist, merkt man ihr wenig an. Sie kann es noch ziemlich geschickt überspielen. Aber natürlich dauert der Zustand nicht an. Sie wird krank. Mehrere Magenschleimhautentzündungen, ein Zwölffingerdarmgeschwür, Rippenbrüche, Brüche einzelner Wirbel machen mehrere Krankenhausaufenthalte notwendig. Wir verlieren den Überblick. Ich glaube, in einem Jahr kamen wir auf acht Krankenhausaufenthalte. Bei einem dieser Krankenhausaufenthalte halluziniert sie zum ersten Mal. Da kann sie noch anrufen zu Hause. Mein Vater eilt fast immer herbei. Schon hier kümmert er sich aufopferungsvoll um sie, egal wie oft, wie spät sie anruft. Meist fährt er ins Krankenhaus, um sie zu trösten oder sich zu kümmern. Einmal ruft sie bei mir an. Ich glaube, es war halb eins in der Nacht. Sie könne D. nicht erreichen. Ich möge ihn anrufen, eine Schwester sei gemein zu ihr. Die Überforderung vieler Pfleger und Pflegerinnen bekommt sie häufig zu spüren. Sie isst nicht mehr alleine. Wenn mein Vater nicht bei den Mahlzeiten anwesend wäre, würde das Essen hingestellt und hinterher unangetastet wieder abgeholt werden. Und meine Mutter ist schon so dünn. Ein Häufchen Elend. Ausgemergelt sieht sie aus, wenn man sie ohne Kleidung sieht. Sie kann schon lange nicht mehr richtig essen. Eine lebenslange Disziplin, eine große Abneigung gegen Menschen mit mehr Rundungen und wahrscheinlich auch die vielen Magenprobleme haben Sie schrumpfen lassen auf ein gefährliches Maß an Unterernährung. Auch die Tabletten werden häufig einfach hingestellt. Sie kann auch die nicht selbstständig nehmen. Die vielen Krankenhausaufenthalte sind nicht gut für ihr Gedächtnis. Es lässt jedes Mal mehr nach. Die Halluzinationen nehmen zu. Nach einem endlos langen Krankenhausaufenthalt kommt sie nach Bad Berleburg in die Reha. Ich besuche sie und wir machen eine wunderschöne Fahrt durch das Sauerland, essen in einem Restaurant und gehen in ein kleines Museum. Wir genießen beide die schöne Zeit. Meine Mutter kommt aus dem Staunen nicht raus. „Ach, was ist das schön hier. Guck mal, wie schön, die Blumen da blühen.“ Ich weiß noch, wie meine Mutter, Jahre ist es her, zu mir im Krankenhaus, in dem wir waren, weil sie sich das Bein verletzt hat, zum Arzt und zu mir sagte: „Irgendwann dreht sich das Verhältnis um. Da werden aus den Kindern die Mütter und aus den Müttern die Kinder.“ Das Gefühl ist zu der Zeit auch bei mir angekommen.

Dann kommt eine Phase, in der es ihr verhältnismäßig gut geht. Sie ist wieder Zuhause. Sie hat ihren Appetit zum Teil wieder (und vergessen, dass sie sich eigentlich nichts aus Fleisch macht). Sie geht spazieren, sogar die große Strecke bis zum Schild hinter dem Ententeich. Sie kann sich wieder freuen, an Enkeln und an uns. An Geburtstagen und Weihnachten kann sie teilnehmen. Wir versuchen, uns einzustellen auf die vielen sich wiederholenden Geschichten, aber sie werden weniger.

Aber das bleibt natürlich nicht so. Die Halluzinationen nehmen zu. Einmal ist meine Tante, ihre Schwester, da zum Hüten, damit mein Vater wenigstens mal eine kurze Auszeit von der Pflege bekommt. Da packt sie ihre Sachen und will weg. Meine Tante ist nicht ihre Schwester, sondern eine böse Person, die ihr ihre Bilder (meine Mutter malte sehr viel) stehlen wolle. Auch habe man sie von Zuhause entführt. Das Haus hier sähe nur aus wie ihr Zuhause. Aber das sei es nicht. Und da oben im Zimmer sei ein böser Mann. Meine Tante ruft meinen Bruder und die Schwägerin  zu Hilfe. Auch die beiden kommen nicht richtig an sie heran. Nur ein Telefonat mit D., ihrem Mann, lässt sie wieder ein Stück in die Realität kommen.  Als ich meine Tante ablöse, kommen diese Halluzinationen vor, aber seltener und sie lässt sich beruhigen. Ich habe Glück. Ab da wechseln sich Phasen der relativen Klarheit mit Phasen des Wegdämmerns ab und verschieben sich mit der Zeit zu Ungunsten der klaren Momente.

Und dann kommen die Schmerzen wieder. Sie nimmt schon lange Morphium. Die Knie, obwohl schon künstlich, schmerzen. Eine künstlichen Hüfte ist auch schon vorhanden, nun schmerzt die noch „echte“. Morphium hilft nicht mehr, mein Vater kann sie nicht trösten. Die Ärzte raten zur Operation. Wir sind hin – und hergerissen. Schmerzen gegenüber der Gefahr auf erneute Halluzinationen, eine noch stärker nachlassende Gedächtnisleistung. Mein Vater entscheidet sich für die Operation. Dann nach einiger Zeit schmerzt ein der Knie so stark, dass sie es nicht aushalten kann. Wieder Krankenhaus, wieder Operation. Sie übersteht die Operation relativ gut, zumindest körperlich. Allerdings kann sie nicht mehr so gut laufen. Sie ist unsicherer und kann nur noch kurze Strecken laufen. Und sie erkennt das Zuhause immer weniger. Ist immer wieder in Leverkusen. In der Kindheit. Mein Vater will das nicht wahrhaben. Er versucht ihr immer wieder geduldig zu erklären, wo sie ist.

Und dann passiert, was nicht passieren darf. Sie fällt, weil sie im Haus ohne Rollator gelaufen ist. Krankenhaus, aber zum Glück keine Operation. Nach einiger Zeit wird sie in die Geriatrie verlegt. Ein netter Arzt, der sich wirklich kümmert und sich große Sorgen macht. Die Halluzinationen sind schlimm. Einmal wird sie in einen Rollstuhl gesetzt und soll am Tisch essen. Sie kann sich kaum sitzend halten, der Kopf sackt immer wieder nach vorne. Irgendwann fängt sie an, mit der Gabel unter den Tisch zu stechen. „Geh weg“. Auf meine Frage, wer denn da unten säße: „Adolf, Adolf Hitler, geh weg.“ Ein anderes Mal will sie einen Film drehen und plant, was sie alles dazu braucht. Und wieder ein anderes Mal erzählt sie meinem Bruder, dass sie zusammen mit der Fußballmannschaft von Bayer Leverkusen in einen Keller gebracht wurde und einer nach dem anderen wurde erschossen, auch sie selbst. In dem Moment stutzte sie und sagte, dass das nicht sein kann, denn sie säße ja noch hier. Ich frage mich, was sie da verarbeitet. Auf der „Flucht“ wird die kleine Familie an der innerdeutschen Zonengrenze von russischen Soldaten aufgehalten und, zusammen mit anderen, in eine Scheune gebracht mit der Drohung, dass sie alle erschossen werden. Sie werden kurz darauf wieder hinausgelassen und der kleinen Familie gelingt es kurz darauf, einen russischen Soldaten zu bestechen und so über die Grenze zu gelangen.

Sie kommt dann zur Kurzzeitpflege in ein Heim, in dem sich liebevoll um sie gekümmert wird. Das merkt sie aber leider nicht mehr. Sie will nach Hause (Zuhause ist wieder das Zuhause der Kindheit). Außerdem fordert sie eine permanente Betreuung ein. Sie möchte auch gerne, dass jemand mit ihr auf das Zimmer kommt. „Wie schaffe ich es denn, dass sich jemand mal mit mir unterhält?“ fragt sie mich. Ich versuche Tipps zu geben. Aber es ist ihr, laut eigener Aussage, noch nie leicht gefallen, Kontakte zu knüpfen.

Dann kommt sie nach Hause. Eine Polin zieht mit ein, denn mein Vater kann das nicht mehr alleine leisten. Meine Schwägerin und mein Bruder kümmern sich um das ganze Organisatorische. Mir bleibt vielfach das schlechte Gewissen, nicht viel aus der Ferne machen zu können. Die Polin ist nett und kompetent, aber meine Mutter kann sehr gnadenlos in ihrer Ablehnung sein und mit zunehmenden Halluzinationen und weniger werdendem Gedächtnis wird sie letztendlich vehement abgelehnt. So muss mein Vater alles machen und das ist nicht zu schaffen. Sie schläft kaum und hält ihn nachts wach. Sie schmiert mit Kot, sie jammert und weint den ganzen Tag und fängt nun auch an, meinen Vater zu beschimpfen. Sie denkt, sie könne aufstehen und werde nur von ihm gehindert. Sie sagt, sie könne nicht mehr. In den noch wacheren Momenten realisiert sie ihre Situation, versteht sie aber nicht. Sie ist wie ein kleines Kind, nur ohne die Hoffnung, dass die Phase bald überstanden ist. Es zerreißt uns alle. Diese Hilflosigkeit, dieses nichts tun zu können, um sie Frieden mit der Situation schließen zu lassen, ist unerträglich. Aber die ganze liebevolle und aufopferungsvolle Pflege meines Vaters hilft nicht. Letztendlich willigt er schweren Herzens ein, sie in ein Heim zu geben. Es gibt keine gute Lösung, es gibt nur die am wenigsten schlimme. Es tut weh. Es tut weh, sie morgen ausziehen zu sehen, in dem Wissen, dass sie vermutlich für immer aus dem Haus auszieht, in dem sie 44 Jahre gelebt hat und sich an keinen Moment aus diesen 44 Jahren erinnert. Ich hoffe so sehr, das sie sich irgendwann im Heim einleben kann und Frieden schließen kann und vielleicht noch ein paar schöne Moment in ihrem Leben hat. Auch wenn sie mich nicht mehr erkennen sollte. Ich würde ihr so wünschen, nicht mit der Traurigkeit, der Verzweiflung und der Verbitterung aus diesem Leben scheiden zu müssen. Erinnerungen können Kraft geben in schlimmen Momenten. Und diese Kraftquelle ist ihr genommen worden.

 

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Neufundland – Fazit

brilliantly made by Vogelfreundin

Hier sieht man unsere Reiseroute. Wir haben viel Strecke gemacht, denn wir wollten in den drei Wochen natürlich auch sehr viel sehen auf der Insel. Die einzelnen Tagesstrecken lagen so bei 160 bis knapp über 200 km, zweimal hatten wir einen längeren Abschnitt zu bewältigen, der eine etwa 425 km, der andere etwa 470 km. Wir hatten aber, außer bei den beiden Langstrecken, viel Zeit für Zwischenstopps und auch hinterher meist noch genügend Zeit, den Ort zu erkunden oder noch eine kleinere Wanderung zu machen. Das muss man aber gut planen, denn der Neufundländer isst wohl sehr früh zu Abend, sehr viele Restaurants, besonders in den kleineren Orten, schließen um 20 Uhr. Wir konnten nicht alles machen, was wir gerne gemacht hätten und mussten uns einige schöne Aktivitäten oder Wanderungen leider verkneifen. Auch haben wir fast alle Orte sehr ungern wieder verlassen. Trotzdem war die Rundreise für die erste Begegnung mit dem Land genau das Richtige, weil wir jetzt wissen, wo wir noch einmal gerne länger bleiben würden. Die Auswahl ist sehr schwierig, denn es war wirklich überall toll. Die Orte, die ich unbedingt noch einmal länger besuchen wollen würde, wären Trinity, Fogo Island, Gros Morne National Park, Port au Choix und L’Anse aux Meadows. Man sollte unbedingt auch im Sommer Winterkleidung mit einplanen. Wir hatten unbeschreibliches Glück mit nur zwei Regennachmittagen, aber zumindest der eine hat gezeigt, dass es dann auch richtig ungemütlich und kalt sein kann. Es weht auch sehr häufig eine sehr kalte Brise, auch bei über 20° Grad, daher empfielt sich unbedingt die Zwiebeltechnik mit einer winddichten Jacke als Abschluss.

Wer gerne fein und gehobener Essen geht, wird es nicht einfach haben, wobei es wenige Restaurants gehobener Küche gibt, wir haben sie aber nicht aufgesucht. Lediglich in L’Anse aux Meadows und in Eastport haben wir etwas feinere Restaurants besucht. In den sonstigen Restaurants ist die Auswahl begrenzt, die Gerichte sind fast immer dieselben und es dominiert Fisch oder einige haben noch Elch, Hühnchen und Schwein im Angebot, Rind gibt es eher selten. Ich habe mir von der Vogelfreundin sagen lassen, dass Elchfleisch ganz vorzüglich ist und einen leichten Wildgeschmack hat. Für wirkliche Vegetarier, die auch keinen Fisch essen, ist es nahezu unmöglich, sich vernünftig zu ernähren und es bleibt meist die Auswahl eines einzigen Salats und Pommes natürlich. Wir sind jetzt was den Fisch betrifft sehr verwöhnt und können uns nicht vorstellen, hier noch einmal welchen zu essen (wir leben ja nicht direkt an der Küste). Der Fisch war immer hervorragend, fangfrisch und wirklich lecker. Wir haben so gut wie jeden Tag Fisch gegessen.

Die Unterkünfte kann ich alle empfehlen und waren sehr gut. Das Hotel und das Motel waren natürlich unpersönlicher und in dem einen waren auch viele Bustouristen, aber die Zimmer waren wirklich gut. Auch die beiden Cabins sind zu empfehlen. Die in Trout River waren etwas gehobener als die in Trinity, aber beide waren gut ausgestattet und relativ geräumig (für uns zwei).

Da wir ja so viel Glück mit dem Wetter hatten, haben wir uns fast nur auf Außenaktivitäten beschränkt. Aber auch für Regentage gibt es immer was zu tun. Auch die kleineren Orte haben häufig ein Museum oder eine Touristenattraktion, so dass man immer was findet. Überhaupt machen die Neufundländer auf diesem Gebiet sehr viel. Die Nationalparks sind super organisiert. Sie haben meistens ein großzügiges „Visitor Centre“, in dem man sich vorab informieren lassen kann. Es kommen auch gleich Mitarbeiter auf einen zu und geben wertvolle Tipps und drücken einem Pläne und Prospekte in die Hand. Die Trailwege sind größtenteils wirklich gut in Schuss gehalten, viele Bohlenwege finden sich oder auch Steinwege und sie sind zumeist immer gut markiert. Die Menschen dort freuen sich noch über die Touristen, sie sind sehr freundlich und hilfsbereit und grüßen immer nett. Sie sind auch sehr entspannt und laufen beispielsweise einfach über die Straße, womit aber auch jeder rechnet. Es ist schon schwierig, am Straßenrand stehen zu bleiben, weil die Autos dann schon anhalten.

Das Autofahren ist in Neufundland was den Straßenverkehr angeht sehr, sehr entspannt. Die Neufundländer fahren zumeist sehr defensiv und rücksichtsvoll und regen sich auch nicht auf oder zeigen den Vogel, was hier passieren kann, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält. Die Straßen in Neufundland sind aber streckenweise furchtbar. Es gibt unzählige Schlaglöcher und Huppel, so dass eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 km/h kaum eingehalten werden kann. Auf den Landstraßen darf meistens 80 km/h gefahren werden, manchmal 90, auf der Autobahn (dem Trans Canada Highway) 100, aber auch nicht immer, denn die Schlaglöcher machen auch vor dem Highway nicht halt.

Neufundland ist auf jeden Fall eine Reise wert. Landschaftlich mag der Skandinavienkenner Vieles an Schweden, Norwegen und Co erinnern, aber die Landschaft ist einfach so abwechslungsreich und einfach nur schön, dass es sich bestimmt trotzdem lohnt. Wir haben die Insel jedenfalls nur ungerne wieder verlassen und es bleiben ganz unfassbar tolle Eindrücke zurück, von denen wir hoffentlich noch lange zehren können.

Anmerkungen zu den Fotos unten: Ich habe eine Spiegelreflexkamera, aber kein super Objektiv (18-200 mm). Auch musste ich die Fotos für den Blog verkleinern, daher ist die Qualität nicht immer optimal. Auch musste ich oft schnell abdrücken, so dass auch daher Unschärfen rühren. Aber die Bilder geben einen Eindruck.

St. John’s

Jelly-Bean Row

Cape Spear (unweit St. John’s)

Weißkopfseeadler (bald eagle) in Bay Bulls

Papageintaucher (Puffins) in Bay Bulls

Trottellumme (Murres), ebenfalls Bay Bulls (im Hintergrund noch Papageintaucher)

Zwergwal (minke whale) in Bay Bulls

Karibus auf der Avalon Peninsula

Basstölpelkolonie am Cape St. Mary’s

Trinity

Bootstour in Trinity, Buckelwale (humpback whales)

Man sieht unten die weißen Finnen

Schlafender Buckelwal


Savannah Sparrow

Dunkelenten (American Black Duck) in Springdale

Eisberg vom Ufer aus gesehen (St. Lunaire Griquet)

Eisberg vom Boot aus gesehen

Buckelwale und Delfine vom Boot aus

 

Neufundland Tag 21 – Tag des Time to say Goodbye”

An unserem letzten Tag machen wir noch eine tolle Tour durch die Tablelands mit. Unser “Interpreter” macht das trotz der immens großen Menschenmasse hervorragend. Wir wünschen uns, unsere Naturwissenschaftslehrer hätten es früher geschafft, uns die Naturwissenschaften so nahe zu bringen und Interesse zu wecken, statt es im Keim zu ersticken. Das Wetter ist, wie kann es anders sein, toll, wenn auch wieder fast schon ein wenig zu warm.

Nach einem kurzen Snack in Woody Point brechen wir, wehmütig, zum Flughafen in Deer Lake auf. Unterwegs machen wir einen Stopp im Insectarium in Deer Lake. Dort bewundern wir riesige frei fliegende tropische Schmetterlinge und sehen uns eine tolle Ausstellung an. Wir dürfen sogar eine “ghost mantis” auf die Hand nehmen. Die Vogelfreundin bedauert, sich in den Tablelands noch großzügig mit dem insect repellant eingesprüht zu haben. Die Geistermantis (oder “Verdorrtes Blatt”,wie passend), die aussieht wie ein Blatt, will nämlich klugerweise nicht auf ihre Hand.

Wir verabschieden uns noch von unserem Chevy und warten gerade auf unseren Flug nach St. John’s, von wo aus es über London nach Hause geht.

Goodbye Meer, tolle Landschaft, Vögel, Wale und Delfine. Goodbye Neufundland. Wir kommen bestimmt wieder!

Neufundland Tag 20 – Tag des “Alles richtig gemacht”

Nach unserem rudimentären Frühstück (wir fragen uns beide, wie es sein kann, dass wir als Kinder tatsächlich Scheibletten mochten), brechen wir zum Wassertaxi auf. Wir haben lange überlegt, was wir machen, es ist nämlich grau und es ist Regen angekündigt. Wir denken, dass 7 km am Trout River Pond sehr schön sind, weil man zum Teil auch durch die Tablelands läuft, eine einzigartige Felsformation, denn der Erdmantel ist hier an die Oberfläche getreten. Auf dem Stein wächst sehr wenig, so dass die Landschaft wie eine Mondlandschaft aussieht. Das Wassertaxi nimmt uns nicht mit, weil es ausgebucht ist, wir hätten vorher reservieren müssen, was wir nicht getan haben, weil wir uns nicht entscheiden konnten aufgrund der schlechten Wetterprognose. Pech gehabt. Die insgesamt 14 km wollen wir dann nicht laufen, denn wir wollen nicht nass werden, aus Angst, die Klamotten und den Rucksack nicht mehr bis morgen, unserem Abreisetag, trocken zu kriegen. Wir entscheiden uns dann für den Green Garden Trail, bei dem man am Anfang durch die Tablelands läuft und dann hinunter zur Küste und an ihr entlang läuft. Da die Kilometerangaben bei den meisten Trails immer den Rückweg mit einschleiessen, glauben wir, dass wir insgesamt 9 km unterwegs sind, schnell stellt sich aber heraus, dass es 18 sind. Daher laufen wir nur bis zur Küste und ein wenig an ihr entlang, damit kommen wir auf insgesamt ca. 9 km. Der Weg ist sehr anstrengend, es geht  drei Kilometer nur runter, teilweise mit Treppen, die insgesamt 250 Höhenmeter bewältigen. Natürlich muss man die drei Kilometer auch wieder rauf. Wir glauben, wir sind mindestens dreimal den Kölner Dom rauf- und wieder hinuntergestiegen. Der Weg ist sehr abwechslungsreich, auf der einen Seite die karge Landschaft der Tablelands, auf der anderen grüner Wald und an der Küste Wiesen, die von Schafen begrast werden. Auf dem Rückweg treffen wir ein nettes und vor allem lustiges kanadisches Ehepaar. Es regnet tatsächlich nicht (wie könnte das auch sein) und teilweise kommt sogar die Sonne durch. Wir fahren nach kurzem Zwischenstopp zum Frischmachen in unsere Cabin nach Woody Point, trinken Kaffee, essen einen Snack, der uns leider an unser Frühstück erinnert, laufen kurz durch den Ort und fahren zum Visitor Centre, um uns über die Tablelands zu informieren. Da fängt es tatsächlich richtig zu gießen an. Wir beglückwünschen uns, wir haben alles richtig gemacht. Am Abend essen wir ein sehr leckeres Abendessen im Seaside Restaurant. Der Hering als Vorspeise, die Jakobsmuscheln zur Hauptspeise und der Rebhuhnbeerenkäsekuchen sind wirklich vorzüglich. Begleitet werden wir von einer Harfenspielerin. Insgesamt ein würdiger Abschluss unseres Urlaubs, der morgen leider schon zu Ende geht.

Neufundland Tag 19 – Tag des erneuten langen Weges

Heute sitzen wir fast nur im Auto (unsere längste Etappe) und fahren von L’Anse aux Meadows nach Trout River, zurück in den Gros Morne National Park, um uns die Tablelands anzusehen. Wir sagen noch kurz unserem Eisberg von gestern Lebewohl, der sich bis in Sehweite des Ufers hat treiben lassen und fahren dann einen kurzen Umweg, um eine andere Straße zu sehen (so viele gibt es ja nicht in Neufundland) und den Elch zu sehen, der im Reiseführer für diese Route vorher gesagt wird, sehen ihn tatsächlich (zumindest von Weite die Straße überqueren), essen in einem Restaurant eines Motels eine ziemlich ungenießbare Kleinigkeit, erfreuen uns am immer besser werdenden Wetter (wie kann es auch anders sein?) und sagen Hallo zu all den Orten, die wir schon gesehen haben. Irgendwie kommt uns alles schon so schön vertraut vor. In Trout River angekommen, beziehen wir unsere Cabin und fahren in zwei kleine ”convenience stores” bis wir zumindest ein rudimentäres Frühstück zusammen haben. Erst hinterher entdecken wir noch einen “richtigen” Supermarkt, wir gehen aber nicht hinein, aus Angst, wir könnten uns ärgern, weil wir dort mehr bekommen hätten. Wir gehen in ein Restaurant, das Essen ist okay, die Bedienung witzig und wandern noch einen gigantisch schönen Weg an der Küste entlang, ziehen endlich den Sonnenuntergang durch und beenden den Abend mit Wein und Chips.

Neufundland Tag 18 – Tag des “Und wenn man glaubt, es geht nicht besser”

 

Beim Frühstück unterhalten wir uns wieder sehr nett mit kanadischen Touristen und wir erfahren viel über das Leben hier, die Entfernungen und die Geschichte des Straßenbaus. Und natürlich waren alle entweder schon einmal in Deutschland oder sie kennen jemanden aus “Germany”.

Das Wetter ist, als wir aufbrechen, okay, aber mehr auch nicht. Es ist wolkenverhangen und es weht ein kalter Wind. Aber bei unserem Glück bleibt das natürlich nicht so (so langsam werden wir größenwahnsinnig und glauben nicht mehr an schlechtes Wetter hier überhaupt) und wir fahren auf dem Weg zu unser Waltour in den blauen Himmel und die Temperaturen klettern auf über 20 Grad. Vor der Waltour gucken wir sind ns noch mal den Eisberg von gestern an, aber aus näherer Entfernung. Wir wissen noch nicht, dass dieses tolle Erlebnis noch erheblich getoppt wird. Die Waltour wird nämlich noch mal viel unglaublicher als die letzte. Es wundert uns auch schon nicht mehr, dass wir durch einen Zufall die vorderen Plätze des Bootes bekommen. In unserem Zodiacboot besichtigen wir zunächst  einen Eisberg, der zwar für hiesige Verhältnisse eher als klein zu bezeichnen ist, für uns aber total beeindruckend ist. Dann fahren wir zurück und zum Glück sichtet die Vogelfreundin die Wale, denn so haben wir alle das Erlebnis unseres Lebens. Wir erleben zwei Buckelwale, die zusammen mit mehreren Delfinen eine Schule Beutefische jagen. Die Delfine kommen sehr nahe, springen aus dem Wasser, schwimmen in unserer Bugwelle und die Wale kommen so ebenfalls nah an uns heran, und einer hebt den Kopf aus dem Wasser und füllt sein Maul mit Wasser, um die Fische herauszufiltern (im Englischen heißt das lunge-feeding, im Deutschen gibt es keine Entsprechung). Ein anderes Mal dreht und platscht ein Wal so nah neben uns ins Wasser und hebt seine riesige Seitenflosse (pectoral fin) aus dem Wasser, dass der Skipper den Zodiac schnell ein wenig zurück fahren lässt. Wir können uns kaum losreißen, aber die Tour ist dann viel zu schnell vorbei. Wir laufen den ganzen Tag nur noch mit einem Grinsen im Gesicht herum. Nach einem kurzen Snack im Café Nymphe fahren wir zur L’Anse aux Meadow National Historic Site, um uns die Geschichte der Wikinger anzusehen. Wir machen eine tolle Führung mit und auch hier haben sie zusätzlich zur Ausstellung ein paar Wikingerhütten wieder aufgebaut, viel origineller als gestern, und auch hier erzählen Schauspieler etwas zur Geschichte, dieses Mal aber viel informativer und freundlicher sind sie auch. Wir wandern dort noch einen sehr schönen kleinen Trail entlang, fahren dann zum Essen in das Restaurant von gestern und essen wieder hervorragenden Fisch. Dass wir mal wieder keinen Elch gesehen haben, macht bei diesem grandiosen Tag natürlich gar nichts.

Neufundland Tag 17 – Tag der unverhofften Highlights

Heute scheint uns zunächst das schöne Wetter verlassen zu haben. Als wir um 7:15 auf die Fähre fahren, ist es sehr neblig, kalt und es nieselt ganz leicht. Wir frühstücken auf der Fähre und währenddessen klart das Wetter immer mehr auf und wir kommen in Neufundland bei strahlendem Sonnenschein an. Es ist noch kalt, aber es wird über den Tag immer wärmer und wir können Nachmittags im T-Shirt herumlaufen. Wir fahren zunächst nach Flower Cove, um die sehr seltenen Thrombolite anzusehen. Auf unserem weiteren Weg nach L’Anse aux Meadows, zwischen Green Brook und Eddie’s Cove, sehen wir plötzlich viele Autos am Wegesrand stehen, einige Menschen steigen gerade aus. Das tun wir auch einfach mal und werden tatsächlich mit dem Ausblick auf zwei Wale belohnt, die in Ufernähe, noch näher als in St. Vincent, I’m Wasser planschen, so sieht es zumindest aus, aber natürlich sind sie gerade mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Auf dem Weg die Böschung runter, fällt die Vogelfreundin dieselbige fast herunter, weil sie es nicht erwarten kann. Wir beobachten die zwei Buckelwale fasziniert und können uns gar nicht satt sehen, aber irgendwann müssen wir uns doch losreißen, denn wir wollen noch viel sehen. In  St. Lunaire Griquet  wir im Café Nymph an, kaufen zunächst den halben, endlich halbwegs originellen gift shop, leer, gehen dann in das nette Café und trinken einen Partridge Berry Kaffee. Die Rebhuhnbeere ist hier in allen möglichen Lebensmitteln verarbeitet und schmeckt uns sehr gut. Wir buchen dann noch eine weitere Fahrt mit dem Zodiacboot zu Walen und Eisbergen für den nächsten Tag und brechen dann auf. Noch in dem Ort sehen wir tatsächlich zwei größere Eisberge fast direkt im Hafen (wir glauben schon, sie sind dort für die Touris hingeschifft worden).

In L’Anse aux Meadows gehen wir in das Norsted Museum, eine Art Freilichtmuseum, das die Wikingergeschichte nacherlebbar machen soll. Es ist ganz gut gemacht, mit Schauspielern, die einzelne Szenen nachspielen. Wir hätten uns ein paar mehr Informationen gewünscht. Wir wandern dann noch auf eine Klippe hoch und genießen die Sicht, im T-Shirt und bei wieder endgeilem Wetter. Wir beenden den Tag im Restaurant bei wieder mal hervorragendem Fisch.